Geschichte - Waldkapelle Heinersreuth

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Geschichte

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                             Innenansicht der Wallfahrtskirche
                                erstellt von Matthias Schmidt.

Heinersreuth ist ein Dorf in der Pfarrei Thurndorf, das aber zum Amtsgerichtsbezirk
Eschenbach gehört und zur Zeit 107 Einwohner hat.
Das Dorf ist sehr alt und gehörte seit 1119 zur Landgrafschaft Leuchtenberg.
Die Landgrafen von Leuchtenberg hatten in dieser Gegend viele Dörfer, Wälder und
Rittergüter in Besitz und dies alles durch Heirat vom Grafen Friedrich v. Hopfenohe
erworben. Als 1640 mit Maximilian Adam das Geschlecht der einst so mächtigen
Landgrafen v. Leuchtenberg erlosch, kam ihr Land an Bayern. Die Landgrafschaft
wurde aber nicht etwa der Oberpfalz einverleibt, sondern blieb als eigener Staat mit
eigener Verwaltung bestehen bis etwa 1777 und sollte den zweitgebornen Prinzen
als Sekundogenitur Dotation dienen.

Die Residenzstadt des Landes war Pfreimbt, die Stammburg aber ist Leuchtenberg
an der Luhe. Die mächtigen und hoch gelegenen Ruinen der Burg sind weithin
sichtbar und beherrschen die ganze Landschaft. Sie sind eine Zierde der Gegend u.
nicht mit Unrecht nennt man die Leuchtenberg die oberpfälzische Akropolis.
Heinersreuth wird 1383 Heinrichsreut am Kötzelsrain genannt. Der Zehent des Dorfes
gehörte damals u. auch späterhin der zum Kloster Ensdorf gehörigen Pfarrei u.
Propstei Lindenhart.

Die Schicksale des Dorfes waren die gleichen wie die von Thurndorf.
Die durch Heinersreuth ziehende Poststrasse brachte von jeher einigen Verkehr ins Dorf,
woraus der Wirt den größten Nutzen zog.

Nachdem der Schulweg nach Thurndorf weit u. beschwerlich war, gründeten sich die
Heinersreuther ums Jahr 1770 eine eigene Winterschule, die aber 1790 von der Regierung
als After- und Winterschule mißbilligt und aufgehoben wurde.
Seit 1870 besitzt Heinersreuth eine eigene Schule.

Die Wallfahrtskirche zum heiligen Blut bei Heinersreuth


Außerhalb des Dorfes Heinersreuth steht eine stattliche Kirche, welche anno 1739
erbaut wurde und nach einer Tradition folgende Vorgeschichte hat.
Ein gichtbrüchiger Zimmermann aus Heinersreuth kaufte um das Jahr 1715 gelegentlich
einer Wallfahrt auf dem Markt in Gößweinstein ein Bildnis, genannt „Maria zum heiligen Blut“,
das angeblich aus Böhmen stammte und das er in einen hohlen
Föhrenbaum seiner Heimatgegend, wo jetzt die Kirche steht, setzte und hoch verehrte.
Infolge seines andächtigen Vertrauens wurde der gebrechliche Mann wieder
vollkommen gesund. Er befestigte an diesem Baum eine Opferbüchse, welche reichlichr
Erträgniße brachte, denn durch die wunderbare Heilung des Zimmermanns bekam das
Bild großen Zulauf von Leidenden aller Art und der Baum wurde zu einem vielbesuchten
Wallfahrtsort. Die Opfer floßen so reichlich, daß man nach einigen
Jahren die jetzt noch vorhandene stattliche Kirche bauen konnte.
Dies berichtet die Volkssage

Ein amtliches Aktenstück des K. Kreisarchivs in Amberg,
nämlich die Heinersreuther Kapellenrechnung vom Jahre 1728, gibt aber über
den Ursprung der Wallfahrtskirche den folgenden Vorbericht.
Nach dem sich ein Bildnis der Mutter Gottes zum heiligen Blut, wie es in Neukirchen
Heilig Blut bei Kötzting verehrt wird, viel Jahr an einem ferchen Baumb eingemacht
auf einem entlegenen Platz bei Heinersreuth auf landgräflich Leuchtenbergischen
Grund und Boden präsentiert gehabt und einige Jahr her manches Opfer an
Geld und Geldeswert gefallen, welches die Unterthanen zu Heinersreuth nit allein in
getreue Verwahr genommen, sondern auch aus eigen Mitteln vermehrt und zusammen
geschossen haben, hat man mit Erlaubnis der Leuchtenbergischen Lehenvogtei und
des ehrwürdigen Herrn Pfarrers Horschelt zu Thurndorf, wohin Heinersreuth
gepfarrt ist, angefangen eine Capelln aufzubauen u. hierein ein vom Auerbachischen
Bildhauer (J. M. Doser) gemachtes und vom Nabburgischen Maler Johann Lidtmann
gefaßtes Altärl zu setzen mit dem gemalten Bildnus Maria vom Heiligen Blut als Altar-
blatt und dem gemalten Bildnus Sanct Rosa auf dem Antipendium. Als sich die An-
dacht zu dem Bildnus sichtbarlich vermehrte, hat vorgedachter Herr Pfarrer von
Thurndorf auf bittliche Instanz der Unterthanen und mit Consens des geistl. Ordinariats zu
Bamberg sich herbeigelassen, ersagte Capelle unter Assistenz mehrerer
geistl. Herrn eben an dem Tag Sanct Rosa den 30. August September 1723 solvenniter
einzunehmen.


 

Von solcher Zeit an sind unzählbare heil. Messen gelesen und auch die gemachten
Schulden pro 1727 völlig getilgt worden. Vom Jahr 1728 an haben die Capellenvorsteher
von Heinersreuth gereulich gesammelt und verrechnet. Dies ist der „Vorbericht“
Den folgenden Jahresrechnungen ist das Nachstehende zu entnehmen.
Als man 1731 an die 150 fl beisammen hatte und die Kapelle baufällig und wegen des
pets anwachsenden Konkurses der Wallfahrer auch zu klein geworden war, beschloß
man eine größere Kirche zu bauen.
1731 hat der Maurer Christian Kübler in Thurndorf zu dem Kirchenbau 100 Quaderstücke
in dem Walde des Hans Koller zu Naslitz, genannt das Aicha, gebrochen und
dafür 4 fl bekommen. Im Jahre 1732 hat er wieder 100 Quader und anno 1733
sechzig Quader gebrochen.
Mit 74 Schlitten u. 94 Wägen hatten die Bewohner der umliegenden Dörfer anno 1733
mehr als 300 große Quaderstück aus dem Aicha auf den Kapellenplatz gefahren und dafür
nichts bekommen als einen Trunk Bier und einen Bissen Brot. 1734 u. 1735 hat man das Bauholz
um billiges Geld erworben und unentgeltlich herbeigefahren 1736 hat der Maurer Kübler wieder
100 Quader gebrochen.
Auch wurde an Stelle des ruinierten Altarblattes vom Amberger Maler Georg Mathias
Pösl ein neues Bild vom Heilig Blut gemalt und mit 2 fl bezahlt. Im Jahre 1737 wurde
das Kirchlein zu Bauen angefangen und 1739 war es vollendet.
Für den Kirchenbau und dessen innere Einrichtung wurden ausgegeben:

1737 - 182 fl 1748 - -
1738 - 519 fl 1749 - 151 fl für 4 Beichtstühle u
1739 - 310 fl Fassung des Hochaltars
1740 - 81 fl 1750 - 1753 -
1741 - 141 fl 1754 Beitrag zur neuen Kanzel
1742 - 22 fl 1755 21 fl
1743 - - 1756 - 1758 -
1744 - 173 fl 1759 150 fl zur Anschaffung v.
1745 - 10 fl zwei neuen Seitenaltären
1746 - - 1760 - 1780 -
1747 - 142 fl

Die Kirche hat drei Altäre, auf dem Hauptaltar ist die Mutter Gottes v. Neukirchen
Heil. Blut kunstlos abgebildet. Die Kanzel und Altäre sind im Rokokostil gehalten,
marmoriert und gut gearbeitet. Auf dem Weg vom Dorf zur Kirche ist ein steinernes
Sühnekreuz mit den Buchstaben H. S. und der Jahreszahl 1625. Hier soll 1625 ein
Schweinetreiber erschlagen worden sein. Der Mörder sagte: „Lieber um 6 kr einen
erschlagen, als um 9 kr tägl. arbeiten. Heinersreuth. (Hager Kunstdenkmäler Bl. 5)


Die Kirche Sankt Maria wurde 1737 - 1739 am sogenannten Diebs- oder Schwärzerweg
oben auf halber Bergeshöhe erbaut und war ehemals eine vielbesuchte Wallfahrtskirche.
Die Kirche ist ein großer aber schlichter Putzbau, Sockel, Ecken, Fenster und Portal
sind von Haustein, die Decke ist ein Schalgewölbe und war mit Rahmenwerk verziert.
Auf dem Dach ein Turm oder Dachreiter.

Inventar des Wallfahtskirchleins zum Heil. Blut in Heinersreuth anno 1763

1 Altarstein oder Portatile im Jahre angeschafft 1727

1 Meßbuch „ 1728

1 Wandlungsglöckl „ 1728

1 weißgeblümeltes halbdamastenes Meßgewand und Manipul angesch. 1728

1 altes weißes Tuch „ 1729

1 Kelch mit Patene u. Löfferl, alles vergoldt „ 1728

1 halbseidenes Sammelsäckl von roter Farbe „ 1737

1 Zechschrein (Kirchenkasse) aus Schlosserarbeit „1737

2 zinner Opferkänndelein samt Tätzl „ 1738

1 Orgelwerklein bestehend in 4 Registern u. dem Prinzipal-

flötlein nebst anderen dazugehörigen Stücken „ 1741

2 neue Glöcklein 139 u. 85 Pfund schwer, haben 150 fl gekostet „ 1744

1 rot und weißgeblümtes Meßgewand „ 1744

1 rotseidenes Kelchtüchl u. 1 Korporaltasche „ 1744

2 Corporale u. 3 Purificatoria „ 1750

1 oben erwähnter Kelch wurde verändert u. auf den kupfern Fuß

eine silberne Cupa gesetzt und alles gar schön vergoldet „ 1755

1 neuen kupfernen Weihbrunnkestl angeschafft „ 1759

1 neue Albe aus Hausleinwand „ 1760

1 Biret „ 1761

Seit 1728 und alle folgende Jahre wurde am Feste St. Rosa die Kirwei und Ablaß-

zeit gefeiert, ein feierliches Hochamt gehalten und unter der Woche auch öfter

2 bis 4 bezahlte Messen gelesen.

Gegenwärtiger Stand Bl. 6

Schon vor 100 Jahren war die Wallfahrt zu diesem Kirchlein bedeutend zurück
gegangen und heute ist sie gänzlich erloschen. Beim Anblick des verlassenen
Kirchleins denkt man unwillkürlich an das schöne Lied:

Ein Kirchlein steht im Blauen Verödet steht es droben.
auf steiler Bergeshöh, ein Denkmal frührer Zeit.
und mir wird beim Beschauen Vom Morgenrot gewoben
des Kirchleins wohl und weh. wird ihm sein Sonntagskleid.

Durch die von 1808 - 1818 bestehend staatliche Stiftungs Administration, welche alle
Stiftungsgelder vewaltete, gingen auch noch die meisten Kapitalien dieser Kirche ver-
loren, so daß sie jetzt „arm und verlassen ist“.
Die Kirche ist sehr geräumig, 21m lang,15m breit, und hat 7 Fenster und
drei Altäre. Auf dem Hochaltar ist das Bildnis „Maria zum Heil. Blut“, auf dem rechten
Seitenaltar ist der hl. Wendelin, und auf dem linken oben in der Mitte die Mutter Gottes
mit dem Jesukinde, und unten rechts die hl. Rosa, links der hl. Antonius zu sehen.
Die Kirche besitzt auch 14 Kreuzwegstationen u. ein Positiv mit 4 Registern.
Wer wird wohl der sonst wenig volkstümlichen hl. Rosa die hohe Ehre und Verehrung,
die sie in diesem Gotteshaus genoß, zugeschanzt haben?
Die Kirche ist eine Filiale der Pfarrei Thurndorf.

 
 
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